Fragen und Antworten zur Schließung der Kirche St. Bonifatius Wetzlar

Frage:

Warum gab es eine Begehung durch das Architektenbüro Kramm und HAZ Ingenieurbüro?  Was ist eigentlich passiert?

Antwort:

Am Montag, den 6. November 2023, ist das Dach der Elisabethkirche in der Kasseler Innenstadt eingestürzt. Das Ingenieurbüro HAZ, das sich auf die Tragwerksplanung in Altbauten spezialisiert hat, wurde mit einem Gutachten beauftragt, die genauen Ursachen für den Einsturz zu klären.

Frage:

Was hat das mit unserer Kirche zu tun?

Antwort:

Im Dachtragwerk der Elisabethkirche in Kassel kamen harnstoffharzverklebte Kämpf-Stegträger zum Einsatz. In unserer Pfarrei wurden Gebäude mit ähnlicher Dachkonstruktionen identifiziert, die potentiell solche Tragwerkseigenschaften aufweisen könnten.

Frage:

Wann fand die Begehung statt?

Antwort:

Am 01.02.2024 fand eine Begehung der 3 Kirchen in Wetzlar statt, an der das Architektenbüro Kramm und das Statikbüro HAZ teilnahmen. Bereits während der Begehung stand im Raum, dass die Parameter der eingesetzten Materialen der Kasseler Kirche mit denen von St. Bonifatius ähneln. Und somit ein Versagen der Dachkonstruktion in der Bonifatius Kirche möglich sei. Die Vermutung ist am 02.02 Gewissheit geworden. Es besteht Gefahr im Verzug. Aus diesem Grund wurde das Kirchenschiff mit anliegenden Seitenkapellen gesperrt.

Frage:

Was für ein Zustand wurde am Dachtragwerk am 01.02.2024 vorgefunden?

Antwort:

Es liegt ein Primärtragwerk aus Kämpf-Stegträgern vor. Die Überprüfung der Statik- Unterlagen ergab, dass die Kämpf-Stegträger stark in der Belastung ausgenutzt sind. Weiterhin war deutlich zu sehen, dass eine unzulässige Querschnittsschwächung durch Öffnungen hervorgerufen wird. Die Träger sind ca. 1 m hoch und davon sind ca. 60 cm herausgeschnitten. Zudem befinden sich Harnstoffklebstoffe in klimatisch problematischen Umgebungsbedingungen des Kaltdaches. Des Weiteren wurden frühere Expositionen durch Niederschlagswasser festgestellt. Ferner war eine abgehängte Decke zu sehen, die von der bauzeitlichen Statik abweicht und im unteren Bereich angeordnet ist, was zusätzlich eine Querzugsproblematik verstärkt.

Zusammengefasst ist das statistische System nicht in der Lage, Lasten auf andere Tragglieder zu übertragen (Blick des Tragwerksplaners auf das gesamte System).

Die Tragfähigkeit ist durch die Öffnung erheblich beeinträchtigt. Hieraus resultiert, dass das Gebäude nicht mehr begangen werden darf.

Frage:

Welche Bereiche sind gesperrt?

Antwort:

Es wurde entschieden, dass der Kirchenraum sowie die angrenzenden Bereiche – Seitenschiffe – nicht mehr zu benutzen sind.

Frage:

Wie geht es weiter? Was machen wir?

Antwort:

Das weitere Vorgehen gliedert sich in zwei Phasen:

Die Phase 1 wird eine temporäre Abstützung beinhalten. Diese soll einen eventuellen Einsturz des Daches verhindern und eine Standsicherheit gewährleisten. Im Zuge dessen wird die Wiederbenutzung des Kirchraumes mit einer Abstützung geklärt. Dies kann voraussichtlich bis zu 6 Monate dauern.

Die Phase 2 wird eine dauerhafte Instandsetzung beinhalten. Hierzu gehört die Erkundung des Dachaufbaus und der Geometrie. Dabei spielen die konzeptionellen Überlegungen eine Rolle. Ziel ist die Instandsetzung der Dachkonstruktion, eine Maßnahmenplanung und ihre Umsetzung.

Frage:

Gibt es eine Zeitspanne für die Phase 2?

Antwort:

Die Planung des Statik- als auch des Architektenbüros ist sehr klar. Allerdings müssen noch weitere Institutionen zu Rate gezogen werden. Hierzu gehört der Denkmalschutz, das Baumt sowie die Finanzabteilung des Bistum Limburgs. Einen ganz wichtigen Punkt stellt hier insbesondere die Frage der Finanzierung, die intensiv mit dem Bistum Limburg geklärt werden muss. Aus diesen Gründen ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig eine genauere Zeitspanne für die Phase 2 festzulegen.

Frage:

Muss die Decke entfernt und anschließend angebracht werden, wenn die Abstützung kommt?

Antwort:

Dies muss im Einzelnen noch geklärt werden. Die Einordnung und Sichtung der Unterlagen muss noch erfolgen.

Frage:

Werden die Stützen von Boden ganz nach oben gezogen oder werden diese nur in die Zwischendecke angebracht?

Antwort:

Die Notabstützung muss differenziert betrachtet werden. Die Notabstützung ist der erste Schritt, um eine temporäre Lösung bis zur dauerhaften Instandsetzung zu gewährleisten. Der Einbau der Notabstützung soll den Einsturz des Daches verhindern.

Im zweiten Schritt, soll eine dauerhafte Lösung konzipiert werden. Erst nach der Instandsetzung, kann die Notabstützung abgebaut werden.

Frage:

Gibt es eine Möglichkeit ein Raumgerüst zu stellen, und das Raumgerüst als Abstützung zu nehmen?

Antwort:

Die Idee besteht darin, in der Raummitte in Längsrichtung eine Reihe aus Schwerlast-Gerüsthallen zu erstellen. Diese sind sehr tragfähig und mit wenigen Einzelstützen versehen. Dabei ist es wichtig die Träger in der Mitte zu unterstützen. Eine adaptive oder eine additive Konstruktion wäre künftig möglich einzubauen.

Frage

Wie lange hält so eine Notabstützung?

Antwort

Die Dauerhaftigkeit einer Notabstützung kann geplant werden. Dies kann als Eingangsgröße für die Planung definiert werden. Sie muss mindestens so lange halten, bis eine dauerhafte Planung erfolgt.

Frage:

Wäre eine Nutzung der Kirche während einer Notabstützung möglich?

Antwort:

Wichtig ist es in erste Linie, die Erkundung des Dachaufbaus und der Geometrie; wenn das geklärt ist; kann anschließend eventuell eine Aussage getroffen werden, ob der Kirchenraum mit einer Notabstützung genutzt werden kann. Eine Notabstützung kann z.B. wie in einer anderen Kirche 10 bis 15 Jahre halten.

Frage:

Wurde die gleiche Bauweise mit ähnlichen Mannlöchern schon in anderen Kirchen vorgefunden?

Antwort:

Nach jetzigen Kenntnisstand handelt es sich gemäß HAZ um das erste Tragglied, welches mit diesen herausgeschnittenen Mannlöchern gesehen wurde, die zu einer derartigen Schwächung des treibenden Querschnittes geführt hatte.

Fragen:

Was sind das für helle Flecken, die am Holz der Kämpf-Stegträger zu sehen sind?

Antwort:

Hierbei handelt es sich um Stöße von Brettern, die an den Stellen geklebt sind. Der Kleber war vermutlich durchsichtig und ist an diesen Stellen herausgetreten. Es liegt die Vermutung nahe, dass das Holzschutzmittel an den verklebten Stellen nicht gehaftet hat.

Frage:

Wie soll man sich die Lösung zur Abstützung einer so großen Deckenfläche vorstellen?

Antwort:

Es gibt einige Ideen, die noch überprüft werden müssen. Am 01.02. fand die erste Begehung statt, das Dach wurde begangen, der Statiker hat im ersten Schritt ermittelt, wie die tatsächliche Standsicherheit ist. Das Ergebnis war eine temporäre Abstützung vorzunehmen. Es muss nun eine inhaltliche Klärung und Abstimmung zwischen dem Statik- und dem Architektenbüro über die weitere Vorgehensweise erfolgen.

Frage:

Kann das Dach von oben dennoch begangen werden?

Antwort:

Definitiv nein. Es muss erst eine Notabstützung gemacht werden, um das Dach in seiner Gesamtheit zu überprüfen.

Frage:

Der Ortsauschuss hat schon die ersten Ideen zum Innenraum der Kirche entwickelt. Wie geht man damit um?

Antwort:

Alle Ideen sind herzlich willkommen und werden gerne über die Verwaltungsleitung an die zuständigen Büros transportiert. Dennoch muss in erster Linie die Phase 1 durchgeführt werden, in welcher die Standsicherheit und temporäre Absicherung geklärt werden müssen. In Phase 2 können die Ideen berücksichtigt werden.

Fragen:

Warum befinden sich Pfützen auf dem Dach?

Antwort:

Das ist unter anderem der Bauweise geschuldet. Hierbei handelt es sich um ein Satteldach. Von dem Satteldach läuft das Wasser herunter. Dabei entsteht eine Mulde, in der sich das Wasser ansammelt. Das Wasser gelangt nicht komplett in die Abläufe.

Frage:

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Was bedeutet das?

Antwort:

Das Thema des Denkmalschutzes und Werterhaltes der Kirche wird in erster Linie mit dem zuständigen Diözesankonservator besprochen und diskutiert. Weiterhin wird gemäß des Denkmalschutzgesetzes das Land für Denkmalpflege miteingebunden.

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