Gedanken zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Gedanken zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Hat Franz von Assisi den Willen seines Vaters erfüllt?

Wer von den (beiden) Söhnen hat den Willen des Vaters erfüllt, so fragt Matthäus nächstes Wochenende im Evangelium. Und es gibt eine Antwort. Doch ich sitze hier beim Schreiben an einem schönen Ort und frage mich, ob Giovanni di Pietro di Bernardone den Willen seines Vaters erfüllt hat?

Ich schaue gerade über die Hochebene von Umbrien und sitze vor der Grablege des Heiligen Franziskus. Hat er den Willen seines Vaters erfüllt? Hat er ein Leben als reicher Schnösel im Tuchhandel geführt - wie sein Vater? Wohl kaum. Wollte er ein gemachter Mann sein und sich eine Frau nehmen (?!) und Nachfolger in die Welt setzen, die es machen wie er? Wohl kaum. Wollte er den mit einem bürgerlichen Christentum ummäntelten Kapitalismus weiter vererben, so wie es seine Väter gemacht haben? Ich werde gleich über das wunderschöne Kloster San Damiano, wo er seine Berufung zum Aufbau der Kirche erlebt hat, hinunter gehen in die Portiunkula-Kapelle, die dort steht, wo er vor 800 Jahren verstorben ist. Nackt und ohne allen Reichtum (?!) auf der Mutter Erde liegend. Sein Vater hat sich für ihn geschämt. Seine Mutter durfte ihre Gefühle nicht ausdrücken. Die Kirche hat ihn geduldet - gleichwohl sie von ihm gerettet wurde.

Alfred Holl benennt ihn in seinem großen Franziskus Roman als "Der letzte Christ". Ich spüre diesem Ort und seiner Geschichte nach. Ich fühle dem Poverello von Assisi nach und seiner Getreuen, die neben ihm begraben sind. Und natürlich der Heiligen Chiara. Die so wichtig war in seinem Leben. Gemeinsam haben sie so viel anders gemacht, als es die weltlichen Autoritäten wollten und wollen. Der "kleine Arme" aus Assisi, der Poverello Gottes, er war so reich - ihm fehlte nichts in seinem Leben. Er hatte und hat soviel zu geben, dass er noch nach 800 Jahren dafür verehrt wird. Sein Wunsch für die Welt war der Frieden - dafür ging er hinter die feindlichen Truppen. Für ihn waren alle Menschen Schwestern und Brüder.

Ich hoffe nur, dass nicht er der letzte Christ war. Dass nicht er der letzte war, der ein christliches Menschenbild lebte. Ein völkisch-nationalistisches Bild des Menschen ist nicht vereinbar mit dem christlichen als Ebenbild Gottes.

Franziskus sah in jedem Menschen das Abbild Gottes - in ALLEN Menschen. Und das reichte ihm für das erfüllteste Leben, das ich kenne. Für die Armen und Verfolgten lebte er, litt er, stritt er und starb er. Der letzte Christ?

Pfr. Peter Hofacker, (Assisi) 

B: Franziskus gibt seinem Vater die Kleider zurück und verzichtet damit auf seinen Besitz (Fresko von Giotto di Bondone, um 1295) - unbekannt, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=322245

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