Gedanken zur Ausstellung "Mitten unter uns"

Gedanken zur Ausstellung "Mitten unter uns"

Im Dom vom 18.7. - 1.8.

Wenn wir oder jetzt in der Urlaubszeit viele Touristen den Wetzlarer Dom betreten, ist das für die meisten ein Ort der Zuflucht, der Stille und des Gebets.
Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt, durchatmen kann, in dem wir Gott nahe sein wollen und sonntags Gemeinschaft suchen und feiern.
Doch genau an diesem Ort sind Sie dazu eingeladen, sich mit einer dunklen Realität auseinandersetzen, die nicht leicht ist:

Ab dem 18. Juli wird der Dom für zwei Wochen die Installation „mitten unter uns“ beherbergen, die die Fachstelle gegen Gewalt des Bistums initiiert hat.
Sie soll (erneut) darauf aufmerksam machen, dass mindestens jede*r Zehnte unserer Bevölkerung im Laufe seines/ihres Lebens sexualisierte Gewalt in Familie, Sportverein, im Arbeitsleben, Schule, Fahrschule, ja – und auch in Kirche erfahren hat oder erfährt.

Wenn Sie im erwähnten Zeitraum den Dom betreten, werden Ihnen mehrere aus Sperrholz gefertigte Figuren auffallen. Sie sitzen mitten unter uns in den Kirchenbänken, unscheinbar und doch unübersehbar. Jede dieser Figuren trägt die tatsächlichen Aussagen, Gedanken und das Leid von Betroffenen sexualisierter Gewalt.

Es ist eine bedrückende und zugleich notwendige Installation.
Sie holt das Unaussprechliche in unseren Alltag. Sie zwingt uns hinzusehen und zuzuhören. Zu oft wurde dieses Thema auch im kirchlichen Raum totgeschwiegen, vertuscht oder verdrängt. Mit dieser Installation wollen und müssen wir uns als Kirche diesem Thema stellen und hinschauen.

Als christliche Gemeinschaft tragen wir die Verantwortung, diesem Schmerz Raum zu geben, hinzuhören und den Opfern Glauben zu schenken. Die Holzfiguren in den Bänken stehen symbolisch für jene Menschen, die oft nicht gehört wurden oder sich aus Scham und Angst zurückgezogen haben.

Ich lade Sie ein, sich dieser Herausforderung zu stellen. Kommen Sie in den Dom, setzen Sie sich zu diesen Figuren und lesen Sie die Aussagen von Betroffenen. Es ist keine leichte Kost, aber ein Zeichen der Solidarität mit all jenen, deren Leben durch sexualisierte Gewalt zerstört oder schwer gezeichnet wurde.

Wir wollen als Kirche ein Ort sein, der aufarbeitet, aufmerksam bleibt und alles dafür tut, dass sich solches Leid nicht wiederholt.  Mitarbeitende der Fachstelle gegen Gewalt stehen an den Wochenenden für Gespräche zur Verfügung.

Hinweis für Betroffene:
Sollte die Thematik in Ihnen oder Ihrem Umfeld belastende Erinnerungen oder Gefühle auslösen, scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Anlaufstellen wie das bundesweite  Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: Täglich erreichbar unter 0800 22 55 530 stehen Ihnen anonym, professionell und kostenfrei zur Seite.

Trotz dieses belastenden Themas wünsche ich allen gesegnete, erholsame Sommertage, herzlichst

Susanne Schmid, Gemeindereferentin

B: Karl Egger from Pixabay

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