Die liebe Sommer(ferien)zeit!?
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.“
ja, so schrieb Paul Gerhard eines seiner schönsten Lieder. Wir gedenken dieses Jahr seines 350. Todestages. Und singen hoffentlich froh viele seiner begnadeten Werke. Er hat sie uns in Fülle hinterlassen – so auch dieses Lied. Er hat es mit 15 Strophen komponiert, meist sind uns nur die ersten drei bekannt. In allen beschreibt er den Gang durch Gottes gute Schöpfung und die wunderbaren Gaben, die Gott uns schenkt. Zur Freude des Menschen hat Gott vieles geschaffen. Und wenn es in seiner guten Ordnung bleibt, dann erfreut es uns.
Doch wir alle wissen, dass Gottes gute Ordnung zunehmend durch die Menschen zerstört wird. Der Schöpfungsauftrag in Genesis an den Menschen, die Schöpfung verantwortet zu hegen und zu pflegen, ist längst nicht mehr erfüllt. Der Mensch beutet aus und zerstört „Gottes Gaben“.
Die Seniorenwallfahrt auf den Spuren der Heiligen Hildegard hat uns in diesem Jahr auch ihre „Grünkraft“ deutlich vor Augen geführt: wir sollen die Welt um uns herum ergrünen und nicht verdorren lassen. Die Natur mit Pflanzen und Tieren, unsere Beziehungen zu Nahen und Fernen, unser Sozialwesen mit Herz und Verstand – es soll ergrünen. Gerhard schreibt in der 14. Strophe:
„Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.“
Letzte Woche war ich wegen einer Fortbildung in Süddeutschland und auch ich bin mit meinem Auto am Wochenende auf der Autobahn gefahren. Umringt war ich von hunderten von großen Wagen, die alle Fahrräder hunderte von Kilometern durch die Republik transportierten um dann irgendwo ganz ökologisch einen Wochenend-Urlaub zu gestalten. Das war beeindruckend für mich, der ich ja sonst wochenends kaum weite Strecken fahre.
All unsere Handlungen zeitigen Konsequenzen. Früher hat man der katholischen Kirche gerne die Jenseitsvertröstung vorgeworfen, heute kann man bei vielen Menschen eher eine gänzliche Zukunftsvergessenheit antreffen. „Nach mir die Sintflut …“ – ja, die Extremwetterereignisse nehmen zu. Auch Konsequenz unverantwortlichen menschlichen Handelns.
Gerhard meint dazu in der 15. Strophe: „Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis
an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen, hier und dort ewig dienen.“
Ich wünsche allen frohe und alles schonende Ferientage,
Pfr. Peter Hofacker
B: Karl Egger from Pixabay