Ein Mahl, in dem schon alles gesagt ist
Nach den Wochen der Fastenzeit liegt nun Ostern vor uns, noch zwei Wochen bis zu den Heiligen drei Tagen. Quasi als Auftakt steht der Palmsonntag am Anfang der Heiligen Woche. Ein festlicher Auftakt, der aber die Tragik bereits duchscheinen lässt: Die jubelnde Menge begrüßt einen demütig einreitenden Jesus - und bemerkt scheinbar nicht den Widerspruch: Der hochgelobte König kommt nicht hoch zu Ross.
Auch am Gründonnerstag liegen die Gegensätze ganz nahe beieinander, Freude und Trauer, Liebe und Verrat. Jesus feiert ein Mahl der Liebe und es endet in der Nacht der Gefangennahme, Mahlgemeinschaft und menschliche Abgründe nur Stunden auseinander.
Wenn es nur ein jüdisches Pascha-Mahl wäre, würden wir es nicht feiern. Dieses Mahl ist aber mehr: Ein bleibendes Zeichen der Gegenwart Gottes unter uns. In den Worten "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird" steckt alles, der Kern von JesuBotschaft und der Kern seines Lebens als Hingabe, als Für-andere-sein.
Immer wenn wir dieses Mahl feieren, ist Jesus ganz da, unter uns, als der Verratene, der Gekreuzigte und der Auferstandene. als der, der sich hingibt. Damit ist in der Feier des Gründonnerstags alles schon enthalten: Karfreitag und Ostern, oder anders: Ostern beginnt schon am Donnerstag.
Michael Dörr
Zum Leben eingeladen, Christel Holl, Rastatt, 2015, Öl mit Blattgold auf Papier, Beuroner Kunstverlag . www.klosterkunst.de